Mut zur Umkehr

Auf einmal war alles anders. Viele Selbstverständlichkeiten des Alltags waren auf einmal in Frage gestellt.

Ein unsichtbarer Virus hat es ans Licht gebracht, wie abhängig wir sind: von der Natur, aber auch von unseren Mitmenschen. Die Menschheitsfamilie ist weltweit und in bisher nie bekanntem Ausmaß durch eine Krise, ein Virus, eine Herausforderung verbunden. Viele Menschen wurden nachdenklich und haben ihre Blickrichtung verändert.

Es gab aber nicht nur Spannungen und Zerreißproben, sondern auch viel Positives: das Aufatmen der Natur, der Abbau von Stress und Hektik, achtsames Wahrnehmen, Zeiten der Stille, spontane Hilfsbereitschaft, aufmerksame Kommunikation und Verbundenheit mit anderen. Viel Kreativität und Spontanität wurde freigesetzt: Es gab viele Lösungen, die bis dato unmöglich schienen und so viele Alternativen, wo keine vorhanden zu sein schienen. Diese Erfahrungen der Krisenbewältigung ist Grund auch zur Dankbarkeit, trotz allem.

Noch immer und weiterhin fordert uns die Coronakrise und bestimmt und verändert unser Leben. Viele freuen sich darauf, wenn die Krise vorbei ist, wenn wir wieder zum alten Leben zurückkehren können.

Aber - dann hätten wir nichts dazu gelernt. Die Chance, die in jeder Krise steckt, hätten wir einfach ausgeblendet. Letztlich geht es ja um eine Umorientierung, die sehr tief in unser Denken greift. Wir sollten uns durchaus fragen:

Was will Gott uns mit dieser Krise sagen? Wir prüfen, ob unser Lebensstil in Ordnung ist. Ob unsere Mobilität, ob die Abhängigkeit durch die Globalisierung ein Segen oder Fluch ist. Ob Natur und Umwelt und damit Gottes Schöpfung bewahrt werden kann. Und wir fragen uns: Welche Rolle spielt eigentlich die von Jesus immer wieder geforderte Umkehr in meinem Leben?

Der Ruf zur Umkehr hat in der Bibel eine ausgesprochen positive Ausrichtung. Dieser Ruf möchte uns helfen, sich für die Fülle der Lebensmöglichkeiten zu öffnen, die Gott uns zugedacht hat. Dass ich mich aus einer Sackgasse, die in Ausweglosigkeit hineinführt, endlich herauslocken lasse in die Weite und Freiheit, in das Heilsein bei Gott.

Sich auf diese Zu-mutung der persönlichen Umkehr einzulassen - etwa in den Konsumgewohnheiten, in der Ernährungsweise, im Energieverbrauch, im NordSüdVerhältnis – kann für uns alle Rettung sein – wenn genügend Menschen dafür den nötigen Mut aufbringen.
Marianne Busch